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Das Buch zum Wochenende #141

Lassen Sie uns doch noch für ein letztes BZW lang bei den Schreibtischen-of-our-own und deren emanzipatorischer Kraft bleiben. Eine, die gewusst hat was es wirklich bedeutet ein Leben lang für einen eigenen, ungestörten Schreibplatz zu kämpfen, war die dänische Schriftstellerin Tove Ditlevsen, Autorin unseres dieswöchigen BZWs. Nur- als Ditlevsen sich ihren autonomen Arbeitsplatz endlich erstritten hatte, war es schon zu spät und die persönliche Tragödie längst angerichtet. Denn wie sollte sich eine Frau aus ärmlichen, bildungsfernen Verhältnissen im beginnenden 20. Jahrhundert an so etwas Dekadentem, wie einem ungestörten Arbeitsplatz selbst verwirklichen können, wenn ihr das weder von der eigenen Familie, noch von der Gesellschaft aus, jemals zugebilligt worden wäre? Da konnten ihr später, als längst etablierter Schriftstellerin, der eigene Schreibtisch und ihre Popularität noch so viel von Erfolg erzählen: die Selbstvernichtung hatte da schon die Oberhand gegen die Selbstverwirklichung gewonnen. Die junge Tove hatte es schließlich brav internalisiert, welcher Platz ihr zusteht, so als Frau: Mädchen können weder dichten, noch auf das Gymnasium gehen, die sollen sich heiraten lassen, Kinder kriegen und einen Haushalt führen, mehr hat das Leben für sie nicht zu bieten- selbst wenn einem das eigene Gefühl etwas anderes sagt. Well. Dann sich doch lieber mit Pethidin aus so einer Welt rausschießen. Tove Ditlevsen zu lesen ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Vor allem der fast heitere Plauderton, in dem sie ihre Geschichte erzählt, verstärkt die Härte des Erzählten und versetzt uns einige einprägsame Schläge in die Magengrube. Am Ende bleibt vielleicht die Frage: Selbstverwirklichung oder Selbstvernichtung? Um den eigenen Schreibtisch kämpfen oder kapitulieren?- Wie halten wir es da eigentlich, nicht nur an diesem Wochenende?

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