Das Buch zum Wochenende #398
Ruhe ist eingekehrt in der Wundervollen & es sind die very own Raunächte, das „Zwischen den Jahren“, des Buchhandels angebrochen – der Zeitpunkt zwischen Inventur & Erscheinen der Frühjahrsnovitäten, wenn die Bücherstapel niedrig und die Regale übersichtlich gefüllt sind. Ein kurzer Moment des Verschnaufens & Innehaltens, & der gefühlt letzten Chancen: das eine oder andere Buch vom SUB aus 2025 doch noch wegzulesen, die vollgekritzelte To-Read-Liste des letzten Jahres noch ein wenig abzuarbeiten & zu genießen, bevor sich das unerbittliche Perpetuum Mobile namens Buchmarkt weiter dreht & wir wie Sisyphos gegen den wachsenden Frühjahrs-Novi-Stapel anlesen. Das letztwöchige BZW war schon so ein Kleinod aus dem letzten Herbstprogramm & der aktuelle Édouard Louis ist es auch. Gewohnt nachdenklich, präzise, schonungs- wie rücksichtslos (ihr kennt die, mit Louis-Texten in Verbindung gebrachten Adjektive & Superlative, & ihr kennt sie zu Recht) schreibt er diesmal ein Requiem auf das patscherte Leben seines großen Bruders, dessen Ziel – neben allerlei, dem Aufwachsen & dem Alkoholismus geschuldeten Kollateralschäden – schlussendlich wohl immer eines war: dass sein kleiner Bruder Édouard ein weniger patschertes Leben als er haben möge. Diese „Rache“ scheint – zumindest aus Buchhändlerinnenperspektive – gelungen & das Familienfresko ist laut dem Autor hiermit abgeschlossen. Dass sich die Haupthandlung des Buches im eiskalten, nordfranzösischen Jänner abspielt, macht die BZW-Lektüre an diesem eisigen zweiten Jänner-Wochenende besonders zwingend & gelungen- jedes Buch hat eben seinen richtigen Zeitpunkt, Erscheinungsdatum hin oder her, nimm das, Buchmarkt.
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