Das Buch zum Wochenende #369
Viel Hymnisches habe ich schon zu Ulli Lusts neuem Buch an anderer Stelle gesagt, es zum Beispiel hier (Link) in unserem aktuellen Kund*innen-Magazin oder auch ein wenig ausführlicher in meiner Büchertisch-Kolumne in der Buchkultur No. 219 besprochen & in die ORF-Studio 2 Buchtipp-Kamera gehalten. Aber da Ulli Lust diese Woche der deutsche Sachbuchpreis zuerkannt wurde (allerherzlichsten Glückwunsch!), darf selbstverständlich auch die entsprechende BZW-Kolumne nicht fehlen.
Beim deutschen Sachbuchpreis wird ein „herausragendes Sachbuch in deutschsprachiger Originalausgabe, das gesellschaftlich relevante Impulse setzt“ ausgezeichnet & das ist Ulli Lust mit ihrer unnachahmlichen künstlerischen Handschrift sowas von gelungen. Nach Jahren der akribischen Recherche hat sie einen essayistischen Sachcomic über die Rolle und Wahrnehmung der Frau in der menschlichen Kulturgeschichte vorgelegt. Sie verwebt ebenso geschickt wie gewitzt ihre persönliche Geschichte mit der Historie männlicher (Miss-)deutung von Funden weiblicher, steinzeitlicher Figurinen & einem daraus resultierenden Geschichtsverständnis, das den patriarchalen Mythos von jagenden und kämpfenden Eiszeit-Männern untermauerte und kooperatives, gleichberechtigtes Verhalten unter den Geschlechtern verschwieg, ja für unmöglich hielt. Dank ihrer Kunstform dem Comic, hat Ulli Lust viel mehr Gestaltungsspielraum als klassische Sachbuchautor*innen & nützt die Möglichkeiten ihres Genres voll aus. Da die Fülle an Material den Umfang eines Buchs gesprengt hätte, dürfen wir uns schon auf eine Fortsetzung freuen – & bis der nächste Band erscheint, empfehle ich einen Roadtrip in das Kremser Karikaturmuseum, wo es ab dem 12. Juli eine Ausstellung zu „Die Frau als Mensch“ geben wird.
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