Das Buch zum Wochenende #363
Man kann jetzt zum Muttertag stehen, wie man will, aber ein gutes BZW über Mütter zu lesen schadet jedenfalls nie, vor allem nicht an diesem Wochenende. Zum Beispiel Christina Maria Landerls autofiktionales Roman-Portrait ihrer Mutter Helga. – Und hinter diesem Portrait steckt noch so viel mehr: Eine Erzählung davon, dass auch Mütter einmal Kinder gewesen sind, davon wie es war im ländlichen (Nachkriegs-)österreich der 1950er als Frau heranzuwachsen, von Erstkommunion und Freundinnenschaften, vom Leiden in der Klosterschule (Zweitbuchempfehlung dazu: Barbara Frischmuth- Die Klosterschule), vom Heiraten und Kinderkriegen, vom Wert von Buben und Mädchen, von Hausbau und Familie. Aber „Das Buch Helga“ ist auch ein Buch über den Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben und Trauer. Erzählt uns von Momenten, wenn in die kurze unschuldige Ablenkung eines kindlichen Ballspiels jäh die Realität hereinbricht oder wie es ist, die Sicherheit des allmorgendlichen Mahlgeräuschs der Kaffeemühle viel zu früh zu verlieren. Aber auch das kann Literatur: Die Toten für einen Moment wieder zurückkehren zu lassen. Und so kann man plötzlich, wie hier die Autorin, eine Geburtstagsjause mit der verlorenen Mutter verbringen, Jahrzehnte nach ihrem Tod, als die Erwachsene, die sie nie kennengelernt hat. An diesem Sonntag ist die beste Gelegenheit dafür, BZW sei Dank.
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