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Pura Vida!

Oliver und ich waren vor zwei Jahren das erste Mal lange zusammen im Urlaub, und das in einem Land, in welches wir ohne Anstoß von außen nie geflogen wären.

Schuld daran waren Michael und Suse Schnitzler, die ich kurz davor kennen gelernt hatte, und die mir in den schillerndsten Farben über ihre zweite Heimat Costa Rica erzählt hatten. Es folgte eine Einladung und wir buchten wild entschlossen unsere Flüge.

Damals, im Jänner 2020, war alles neu und aufregend: Land, Klima, Tiere, Gerüche, Essen, Sprache …

Nun, zwei Jahre später und ein paar Erfahrungen reicher, war ich wieder da, und alles fühlt sich fast vertraut an:

Das Fliegen mit der kleinen Propellermaschine ist zwar immer noch nicht meine Lieblingsfortbewegungsmethode, aber ich schaffe es, ohne zu hyperventilieren. Die Hitze und Luftfeuchtigkeit fiel mir gar nicht mehr auf, Reis mit Bohnen zum Frühstück sind eh ganz normal, und dass eine große Spinne am Küchenfenster (also Fensterrahmen, denn Fenster gibt es keine) sitzt, stört mich nicht mehr. Gut, ich springe immer noch auf, wenn die Aras über uns im Baum sitzen und halte die Luft an, wenn der Nasenbär durch den Garten spaziert. Aber das macht Michael auch, und der fährt da schon Jahrzehnte hin. Manche Dinge bleiben eben immer faszinierend.

Was in diesen zwei Jahren nach meinem ersten Besuch auf der Playa Cacao alles passiert ist, ist schier unglaublich, und wieder einmal denke ich: Wie gut, dass man nicht in die Zukunft schauen kann. Die Idee zu einem Buch mit Michael Schnitzlers Lebensgeschichte und die Verlagssuche, eine Pandemie, die unser Leben verändert hat, der Verlust einiger Menschen, die sehr wichtig für mich waren, ein Riss durch manche Beziehungen, aber auch viel Solidarität und neue Freundschaften. Und Michaels Schlaganfall, eine Woche bevor das Buch im Oktober auf den Markt kam.

So habe ich mich in diesem Urlaub natürlich auch ein wenig wehmütig an den letzten Aufenthalt erinnert: Wo ich an Michaels Lippen hing und gar nicht genug kriegen konnte, von seinen Geschichten über Familie, Konzertbühnen und dem Schutz des Regenwalds. Und doch dachte ich dieses Mal immer wieder: Er hat alles richtig gemacht! Wir haben alles richtig gemacht! Michael hat mit viel Disziplin und Beharrlichkeit sein faszinierendes Leben aufgeschrieben, ich habe ihm geholfen, den Text gut lesbar zu machen, der Amalthea Verlag hat ein wunderschönes Buch gestaltet.

Denn zur Zeit kann Michael nicht erzählen, oder sagen wir es so: Er kann schon, aber es dauert lange und man muss ihn auch ganz gut kennen, denn viele Wörter finden ihren Weg nicht. Alles ist da, sein Kopf ist nach wie vor voll von Wissen, Geschichten, Namen und Anekdoten, nur erzählen kann er sie gerade nicht so gut.

Ich glaube, ich kenne niemanden, der so beharrlich und ehrgeizig ist, niemals aufgeben würde und jeden Tag kämpft. Und ich glaube auch, ich kenne niemanden, der so cool, solidarisch, empathisch und unterstützend mit so einer Situation umgehen würde, wie Michaels Frau Suse.

Und so haben wir die letzten zwei Wochen quasi als WG auf der Playa Cacao verbracht, haben gekocht, gegessen, gelesen, geschrieben, geschlafen. Michael hat mit Suse mehrmals täglich seine Sprachübungen gemacht, „la-le-lu“ (wie er immer sagt), ich hab ein neues Buch begonnen, wir haben viele Stunden aufs Meer geschaut und einige Flaschen Rum getrunken. Und mit Händen und Füßen geredet, und auch wenn es immer wieder Momente der Niedergeschlagenheit gab, hatten wir viel Spaß. Michael weiß so viel wie vor zwei Jahren, vielleicht sogar noch mehr. Und wenn Suse und ich händeringend nach dem Namen eines Vogels, einer Inselgruppe oder eines Musiker ringen und Michael sagt: „Ich weiß es, aber ich sag´s euch nicht“, dann muss er sogar selber lachen.

Danke für die Freundschaft und pura vida!

 

 

2 Kommentare

    Elisabeth Zmatlo sagt:

    Lebensnah, lebensbejahend! Und dazu diese Schilderungen über dieses unglaublich artenreiche Paradies! Nach dem Buch „der Geiger und der Regenwald“ ein noch tieferer bzw. sehr persönlicher Einblick in dieses Stück Land und vor allem diese besondere Form der Freundschaft. Vielen Dank fur dieses Teilen und liebe Grüße unbekannterweise an den großartigen Michael Schnitzler!

    Susanne Turecek sagt:

    Nach der beeindruckenden Lektüre dieses wunderbaren und sehr faszinierenden Buches „Der Geiger und der Regenwald“ wünsche ich dem lieben Herrn Michael Schnitzler eine weiterhin gute Genesung!

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