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Für Abwechslung sorgen

Interview mit Heinz Strunk

Die mit humorvoller Schonungslosigkeit
geschriebenen Romane von Heinz Strunk empfehlen wir seit Jahren gerne.
Seit Wochen ist sein neues Buch über den
Serienmörder Fritz Honka auf den Bestseller-listen.

Barbara Kadletz hat den Autor bei einem Wienbesuch zum Interview getroffen.

Barbara Kadletz: Ist es ein Gefühl der Genugtuung, dass Ihr neuer Roman jetzt offiziell als Literatur breitenwirksam wahrgenommen wird?
Heinz Strunk: Nun, das ist schon ein wenig länger so. Spätestens seit der Botho-Strauß-Anthologie und dem Roman Junge Rettet Freund aus Teich kam ich im Feuilleton gut weg, was fehlte, war ein sogenannter weiterer Publikumserfolg. Da hatte sich halt nachhaltig das Klischee gehalten, dass der lustige Heinzer irgendwie nichts anderes kann, als anekdotenseelige Geschichten aus seiner Jugend zu erzählen. Insofern ist das Wort Genugtuung schon ganz treffend.

Wann war der Zeitpunkt, an dem Sie wussten, ich kann schreiben?
Ein Zeitpunkt, das ist mir zu hoch gegriffen. Aber bei Fleisch ist mein Gemüse habe ich gemerkt, da ist ein eigener Sound, den kannte ich noch nicht, das ist mein eigener Sound.

Mit „Der Goldene Handschuh“ haben Sie ja auch einen Themenwechsel vollzogen?
Ja. Einerseits gab’s da nichts mehr zu erzählen und ich habe auch einen sportlichen Ehrgeiz. Man muss auch mal von der dummen ersten Person in die anspruchsvolle dritte Person wechseln. Wenn man das Sujet Harry Potter oder Vampirroman für sein Leben gewählt hat, dann kann man dabei bleiben, aber ich hab das nicht und da muss man für Abwechslung sorgen.

Wie sind Sie zu dem Romanstoff gekommen?
Durch meine Besuche im Goldenen Handschuh, der Kneipe, wo Honka seine zukünftigen Opfer kennengelernt hat. Jetzt im Nachhinein kommt’s mir vor, als wäre mir das Thema auf dem Silbertablett serviert worden. Als Autor ist man ja ständig – auch unbewusst – auf der Suche nach Themen und das schien mir eines zu sein. Ich dachte, da kann ich zum literarischen Kanon noch etwas Eigenständiges beitragen.

Ist das Buch auch eine heimliche Liebeserklärung an Hamburg St. Pauli der 1970er-Jahre?
Nein, gar nicht. Ich bin da frei von Sentimentalitäten. Und hatte das gar nicht als Lesart gegen Gentrifizierung und dieses „Damals-war-alles-besser-Gefühl“ geplant. Da ist nichts, was man sich wieder herbeiwünscht, wie mir Zeitzeugen auch versichert haben.

Und welche Bücher anderer AutorInnen würden Sie unseren LeserInnen empfehlen?
Mein Lieblingsautor ist J. M. Coetzee. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich noch jemanden entdecke, der ihm gleichkommt. Natürlich noch Wilhelm Genazino und Botho Strauß, das ist ja eh klar. Sibylle Berg muss ich in dem Zusammenhang auch noch nennen, Der Mann schläft und das neue Der Tag, als meine Frau einen Mann fand haben mir sehr gut gefallen.

 

Fritz Honka, ein minderbemittelter Frauenmörder aus der Unterschicht, erlangte 1976 schaurige Berühmtheit. Seine Opfer nahm er aus der Hamburger Kneipe «Zum Goldenen Handschuh» mit. Strunks Roman taucht tief ein in die dunkle Welt von Kiez, Tresen, Abbruchquartier, deren Bewohnern das mitleidlose Leben alles Menschliche zu rauben droht. Er führt uns aber auch in die oberen Etagen der Gesellschaft, wo es nicht unbedingt menschlicher zugeht. Am Ende treffen sich Arm und Reich im «Handschuh»: Menschen allesamt, bis zur letzten Stunde geschlagen mit dem Wunsch nach Glück.

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