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Chronik eines Ausnahmezustands: meine wundervolle Versandbuchhandlung #1

Am Dienstag, dem 16. März, bin ich am Morgen aufgewacht und brauchte drei Minuten um zu begreifen, dass heute kein normaler Tag sein wird. Dass vielleicht nie mehr ein normaler Tag sein wird.

Und dann blieb ich noch drei Minuten im Bett und dachte darüber nach, welche Probleme ich in meinem früheren Leben hatte. 1.) Ich wollte fünf Kilo abnehmen. 2.) Ich wollte einen letzten Versuch starten, meinen schwierigen Hund besser zu erziehen. 3.) Ich wollte disziplinierter schreiben, um den Abgabetermin zu schaffen.

Recht viel mehr fiel mir nicht ein.

Als ich am Freitag von den Geschäftsschließungen für eine Woche hörte, versuchten wir auszurechnen, was eine Woche zuhaben, für unser Budget bedeutet. Das ist ja nicht so schlimm, wir hatten ja auch schon mal zwei Wochen wegen Renovierung geschlossen und haben das Jahr überstanden. Ich brauchte das ganze Wochenende, um zu begreifen, dass zwar von einer Woche geredet wird, niemand aber eine Woche meint. Was würde das bringen? Eine Woche zu und dann Business as usual? Also zwei? Oder drei? Oder zwei Monate?

Ein Wochenende voller Verzweiflung. Ich habe gefühlte zwölf Stunden am Tag Nachrichten geschaut, in der Nacht nichts geschlafen, geweint, mit FreundInnen geschrieben, mit MitarbeiterInnen telefoniert. Dazu kam, dass ich Husten und erhöhte Temperatur hatte und nicht mal arbeiten durfte, am „letzten Tag“.

Doch wir wären nicht wir, wenn wir einfach aufgeben würden. Mein Mann und ich sind wahre Meister im „Schönreden“, also werden wir das auch irgendwie schaffen. Na ja, schönreden kann man jetzt nichts mehr, gar nichts, aber wir können uns ja nicht einfach die Decke über den Kopf ziehen und nichts tun! Wir müssen die Gehälter für dreizehn Menschen bezahlen, Miete, Lieferanten, Steuern, Strom …

Wie soll das gehen, wenn der Laden zu ist? Null Einnahmen und tausende Euro Ausgaben. Wie machen die anderen das? Nach und nach realisiere ich, dass es „alle“ betrifft. Dass wir vielleicht unser Geschäft verlieren, nicht, weil wir schlecht gewirtschaftet haben, zu schnell gewachsen sind oder ich irgendeine schlimme Krankheit habe, die mich aus der Bahn wirft. Nein. Alle, wirklich alle, müssen zusperren. Alle unsere KollegInnen. Der Wirt, wo wir immer hingehen. Der Blumenladen, wo ich schön langsam meine Terrassenpflanzen kaufen sollte …

Am Donnerstag, dem 12. März, schreibe ich einen Text über die Krise und dass wir keine Veranstaltungen mehr abhalten können. Unsere geniale Social-Media-Mitarbeiterin dreht einen kleinen Film über die Jungs, die den Versand bei uns normalerweise machen. So nebenbei, weil so viel ist das nicht. Um 16:30 stellen wir das auf Facebook und ich schreibe: „und selbst, wenn wir aufgrund irgendwelcher Maßnahmen einmal schließen müssten, unser Webshop läuft weiter.“

Und nun sind wie eine Versandbuchhandlung, sind begeistert und gleichzeitig überfordert angesichts der Flut an Bestellungen.

Fortsetzung folgt.
#alleswirdgut

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8 Kommentare

    Angela Leucht sagt:

    Liebes Hartliebs-Team,
    Ihr seid super und ich bin dankbar für euren Online-Shop und den Versand. Wir werden weiterhin treue Stammkunden sein und hoffen, dass wir uns bald wieder in der Buchhandlung sehen. Bitte haltet durch!!!
    Viel Glück & bleibt alle gesund :o)

    Gerd Habersatter sagt:

    Liebe Frau Hartlieb,
    vielen Dank für diesen Text.
    Ich bewundere Ihre Energie und freue mich darüber, dass Sie mir den Weg zeigen, wie ich ohne Amazon an ein Buch herankomme.
    Schon aus Prinzip werde ich bald mein erstes Buch bei Ihnen bestellen.
    Schauen Sie auf sich!
    Ganz liebe Grüße,
    Gerd Habersatter

    Marianne sagt:

    Ich tät gern die Versandkosten übernehmen. Weil es liegt ja an mir, dass ich nicht abholen gekommen bin. Oder könnt ihr erhöhte Bezahlungen nicht gut zuordnen?
    Ihr seid großartig, danke!

    Karin Schmidt-Mitscher sagt:

    Und dann hab ich heute auch noch bestellt … alles Gute weiterhin!!!

    Brigitte Baur sagt:

    Auf diesem Wege schicke ich euch allen einen virtuellen Blumenstrauß. DANKE für euer Tun und die (Über)-Lebensfreude, die ihr vermittelt.
    Eure Brigitte (Baur)

    Hemma Gamillscheg sagt:

    Also ich würde alles tun um Hartliebs Bücher zu erhalten, inklusive Petra, Raum und MitarbeiterInnen. Ich würde gratis Boden putzen und Packerl machen, abstauben und kochen – einfach alles, damit unsere Buchhandlung nicht zusperren muß – nicht jetzt, nicht später, überhaupt NICHT! Und Bücher sowieso nur dort bestellen (aber das gilt ja auch für Normalzeiten…)

    Janneke Hovis sagt:

    Liebe Petra, ich bleib ich treu weil ich euch liebe und Bücher liebe. Alles wird gut!

    Willi Ruthner sagt:

    Ich habe sie / euch erst durch das Ö1- Portrait kennen und schätzen gelernt . Sehr sympathisch und klug, ich werde bei euch / ihnen bestellen.
    Also noch ein bisschen Mehrarbeit…viele liebe Grüße an euch / sie und bleibt alle gesund

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