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Aus der Vergangenheit lernen?

In dokumentarischem Stil, fast wie bei einer wissenschaftlichen Arbeit, wird das Leben der Goldegger Bäuerin Maria Etzer dargestellt. Durch diese sachliche, trockene, mit etlichen Faksimile-Dokumenten belegte Schreibweise, wird die Abartigkeit und Grausamkeit des NS-Regimes besonders bedrückend gezeigt.

Maria Etzer, damals schon Witwe, bekam in den vierziger Jahren französische Kriegsgefangene als Arbeitskräfte für ihren Hof zugewiesen. Und sie beging den Fehler, diese Arbeitskräfte wie Menschen und nicht wie Feinde zu behandeln. Sie wurde denunziert, wobei auch ihre Töchter im Verdacht stehen, Anlaß für die Denunziation zu sein.

Marie Etzer wurde 1943 wegen Wehrkraftzersetzung und verbotenen Umgangs mit dem Feind (damit waren sexuelle Handlungen gemeint) zu drei Jahren schwerer Haft verurteilt. Überhaupt verursachte das NS-Regime einen Riss quer durch die Familie, die Söhne schlossen sich NS-Institutionen an, Maria Etzer war immer Gegnerin der Nazis, und verweigerte bis zum Schluß, sogar in Haft, den Hitlergruß.

Der eigentliche Skandal jedoch begann nach dem Krieg: Maria Etzer suchte um Opferfürsorge an, wurde jedoch mit den gleichen Begründungen, mit denen sie verurteilt wurde, immer wieder abgewiesen. Denn in den Ämtern waren nach wie vor die gleichen verbecherischen Gestalten wie im Krieg am Werk. Man erinnere sich nur an Heinrich Gross, den Schlächter vom Spiegelgrund, der nach dem Krieg einer der führenden Gerichtspsychiater wurde.
Maria Etzer ist bis heute nicht rehabilitiert worden, und das wird sich unter den momentanen politischen Entwicklungen wohl kaum so schnell ändern.
Bedrückend, lehrreich und lesenswert

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