Lesen ist wundervoll.
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Lesen am Strand – Ja? oder Nein?

Pro
Wahrscheinlich muss man es von Kind auf lernen: Das Lesen am Strand. Ich hatte das Glück, dass ich die Sommer meiner Kindheit am Sandstrand von Bibione verbringen durfte, und so ist es völlig normal für mich, sich in ein Buch zu versenken, obwohl die Sonne blendet, der Sand zwischen die Seiten rieselt, die Sonnencreme hässliche Flecken ins Buch malt, rundherum spielende Kinder lärmen und der Kopfteil des Liegestuhls prinzipiell immer auf die falsche Position eingestellt ist. Das Einzige, das mich stört, ist mein Mann, der ächzend und stöhnend neben mir liegt, weil er – wie er selbst sagt – nicht outdoor-geeignet ist. Er zieht sich nicht gerne aus, geht nicht gern ins Wasser, bekommt leicht Sonnenbrand und die Vorstellung, dass ein Buch einen Sonnenölfleck abbekommt, macht ihn total nervös. Das ist aber nicht so schlimm, wir machen so viel zusammen, wir müssen nicht auch noch gemeinsam am Strand liegen.
Ja, ich kann auch auf dem Boden sitzend lesen, dazwischen immer aufs Meer schauen und zwischen den Kapiteln darüber nachdenken, ob Zeit für Eis oder Campari wäre. Ich habe schon viele Strände belesen, mit allen nur erdenklichen Arten von Büchern. Unvergessen die sechs Trotzkopf-Bände am Stück in einem vierzehntägigen Urlaub, in dem mein Vater immer grantiger wurde, weil ich nicht zum Boccia-Spielen zu überreden war. Oder der Roman über die Grönlandexpeditionen des letzten großen Polarforschers von Alfred Wegener bei dreißig Grad in Vietnam. Und für den Finnland-Urlaub im Sommer, werde ich mir wohl einen süditalienischen Krimi mitnehmen.

von Petra Hartlieb

Contra
Ich kann überall lesen und ich habe sogar ein Buch dabei, wenn ich drei Stationen mit der Straßenbahn fahre, sei’s auch nur ein Reclamheft. Ich lese im Kaffeehaus, in der Bahn, im Bus, im Bett, in der Hängematte, stehend in einer Schlange am Schalter oder wenn ich auf die Belege vom Kontoauszüge-Drucker warte – aber am Strand? Nein! – Vielleicht liegt es ja wirklich an der Sozialisation, die Urlaube meiner Kindheit verbrachte ich auf einem Bauernhof im Allgäu – außerdem hab ich als Kind eh gar nichts gelesen. Oder doch, einmal, während eines Pfadfinderlagers, da war ich neun oder zehn, es hat nur geregnet und ich habe, unvergesslich (der Regen trommelte aufs Zelt, ich im Schlafsack auf der Luftmatratze) Huckleberry Finn verschlungen. Als Jugendlicher entweder Bett oder Sofa oder – meine Eltern haben zum Glück beide gearbeitet – Balkon! Was habe ich alles im Schatten unter der Markise gelesen: Doktor Schiwago, Der Name der Rose, Der Zauberberg, Die Brüder Karamasow, Frisch, Böll, Hesse – es geht alles. Und vor zwei Jahren auf der kroatischen Insel? Alle anderen waren am Strand, liegend, sitzend, spielend, lesend, quatschend und ich saß allein im vier Quadratmeter kleinen Innenhof und hab mal wieder die Die Strudlhofstiege gelesen. Ich habe wirklich nichts gegen Wasser, wenn ich es von der Terrasse aus im Schatten auf Stuhl oder Liege betrachten und hören darf. Aber am Strand – mal ganz ehrlich: zu heiß, zu viel Sonne, zu viel Sand an Füßen und Fingern, und dann die Fettflecken der Sonnencreme in meinen Büchern – nein danke!

von Oliver Hartlieb

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