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Endlich kommt er

Endlich kommt er. Der junge Doktorand, der sich seit zwei Jahren beim Ehepaar Greilach ankündigt und immer wieder abgesagt hat, steht spät nachts an der Tür der abgelegenen Mühle. Der alte Maler Günther Greilach braucht ihn dringend, soll der junge Doktorand endlich eine umfassende Arbeit über sein Werk schreiben. Seine Frau Natascha freut sich mindestens genauso, ist der junge Mann doch die einzige Möglichkeit, ihrem grantigen Ehemann wieder zu mehr Bedeutung zu verhelfen und vielleicht sogar ihre freudlose Ehe wieder ein wenig aufzupeppen. Der junge Doktorand ist die Verheißung, die Projektionsfläche für Sehnsüchte und die Hoffnung auf die große Veränderung. Im Gegensatz zu Günther Greilach hält Natascha den Kontakt zu den DorfbewohnerInnen und denen erzählt sie seit Monaten, wie gutaussehend, erfolgreich und verwegen der junge Doktorand sei, der irgendwann kommen würde, um ihrem Mann zum verdienten Ruhm zu verhelfen. Nun ist er also da, spricht nicht viel, ist unbeholfen und unsicher, und gut aussehen tut er auch nicht.
Bremer zeichnet seine Figuren detailliert und kommt dabei fast zur Gänze ohne Beschreibung aus, denn die Geschichte spielt sich zum Großteil in den Köpfen der Protagonisten ab: ein geschickt arrangiertes Spiegelkabinett, ein Kammerspiel mit Minimalbesetzung, in dem jede Figur jeweils durch die Gedanken des anderen beschrieben wird. Und ganz nebenbei hat Bremer auch noch ein großartigen Roman über Kunst verfasst: Man könnte den alternden Maler bei einem seiner ausufernden, selbstverliebten Monologe über seine Kreativität und seine Bildersprache schier erwürgen und liest es gleichzeitig mit dem größten Vergnügen.

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