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der Preis ist heiß

von Petra Hartlieb

„Nicht der Preis der Freien Hansestadt Bremen selbst war es, der mich aus meinem Stimmungs-, ja aus meiner Existenzkatastrophe errettete, sondern der Gedanke, mit der Preissumme von zehntausend Mark mein Leben abzufangen, ihm eine radikale Wendung zu geben, es wieder möglich zu machen.“
aus Thomas Bernhard, Meine Preise

Es gibt so viele verschiedene Preise, wie es Literaturgattungen gibt, große und kleine, unbedeutende und prestigeträchtige, welche mit richtig viel Geld und welche mit eher symbolischen Beträgen. Literaturnobelpreis, Büchnerpreis, Man Booker Prize, Prix Goncourd, Krimipreise, Preise für Love & Romance und, und, und.

Allein auf der Frankfurter Buchmesse werden über zwanzig verschiedene Preise vergeben und Thomas Bernhards Buch Meine Preise kann man getrost als Nachschlagewerk für die vielen österreichischen Preise hernehmen, die Jahr für Jahr vergeben werden.

Viele Menschen beschäftigen sich mit Preisen: Die JurorInnen, die das alles lesen und Entscheidungen treffen müssen, die MitarbeiterInnen in den Verlagen, die AutorInnen vorschlagen und Texte einreichen, die RedenschreiberInnen für die Preisverleihungen, die BuffettausstatterInnen und GetränkelieferantInnen und wer weiß, wer noch alles.

Preisgelder sind für die meisten AutorInnen ein unverzichtbarer Bestandteil des Einkommens, denn die Anzahl der SchriftstellerInnen, die von ihren Buchverkäufen leben können, ist überschaubar. Und so gibt es zahlreiche Preise, von denen Sie noch nie gehört haben, die aber dazu beitragen, dass manche AutorInnen wieder ein Jahr schreiben können, denn Geld verdient man in der Regel erst, wenn das Buch erschienen ist. Vielleicht. Im günstigsten Fall.

So war das Preisgeld des Literaturpreises der Freien und Hansestadt Bremen der Grundstock für Thomas Bernhards Vierkanthof in Ohlsdorf, Thomas Mann zahlte mit dem Geld des Literaturnobelpreises unter anderem die Schulden seiner Kinder zurück und kaufte sich ein Auto und ich kenne einen zeitgenössischen Autor, der nach der Verleihung des deutschen Buchpreises von einer Ein-Zimmer-Wohnung mit Klo auf dem Gang in eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit kleiner Küche gezogen ist. Und wie schrieb Thomas Bernhard so schön: „Wenn ich, dachte ich, anstatt der alten, schon beinahe vollkommen verfaulten äußeren Fensterflügel meines Hauses, neue anschaffen will, muss ich den Preis annehmen und also hatte ich beschlossen, den Wildgans-Preis anzunehmen und mich in die Salonlöwenhöhle auf dem Schwarzenbergplatz zu begeben. Überhaupt hatte ich gedacht, dass der Mensch immer Geld nehmen solle, wo man es ihm anbietet…“
Preise sind für den Buchhandel gut, denn sie rücken AutorInnen und ihre Werke in die Öffentlichkeit und heben den Umsatz. Und manchmal ist es kaum zu glauben, was ein Preis für Auswirkungen hat: So kaufen seit drei Jahren all jene begeistert Alice Munros Shortstorys, die noch Wochen davor im Brustton der Überzeugung behauptet haben, Erzählungen zu hassen. Man liest plötzlich schwedische Lyrik und auf einmal werden SchiftstellerInnen, für die sich bisher keiner interessiert hat, zum nationalen Heiligtum erklärt.

Wenn der Literaturnobelpreis verkündet wird, stürmen die Leute massenhaft in die Buchhandlungen und sind ganz erstaunt, dass es nichts zu kaufen gibt. Doch so ein Preis bedeutet für einen Verlag, dass er plötzlich innerhalb von Stunden zigtausende Exemplare eines Titels braucht, von dem er in den vergangenen Jahren fünf oder zehn Stück im Monat verkauft hat. Manchmal sind die Werke ja noch nicht einmal übersetzt, denn das Literaturnobelpreis-Komitee richtet sich nicht nach der Nachfrage auf dem Buchmarkt.

Anders ausgerichtet sind Preise, wie etwa der Deutsche Buchpreis, der Schweizer Buchpreis, der Preis der Leipziger Buchmesse und seit diesem Jahr auch der österreichische Buchpreis. Diese küren ein zeitgenössisches Buch, das in der Regel lieferbar ist, sodass Verlag und Buchhandlungen sich für den Ansturm rüsten können.

Dabei sollte man jedoch nie vergessen, dass auch in den Jurys Menschen sitzen, Menschen mit subjektivem Geschmack, und jede Juryentscheidung ist auch immer ein Kompromiss. Schade wäre es, wenn sich durch solche Preise die Kaufentscheidung auf einige wenige Titel reduzieren würde. Denn die Literaturpreise bedeuten natürlich nicht, dass es jenseits von ihnen nicht auch tolle Bücher zu entdecken gäbe.

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