Das Buch zum Wochenende #377
Ja, wir können auch am Puls der Zeit im Great-BZW-Audiobook-Summer & stürzen uns in den spätsommerlichen Neuerscheinungs-Hustle. (Es ist wie mit den Lebkuchen im Supermarkt, nicht mal im Sommer darf man sich mehr gechillt durch die SUB-Backlist schmökern & es wird uns mit Weinbeißern anstatt mit Weinmischgetränken zu Nahe getreten). Aber in der Woche der Perseiden-Schauer muss auch im BZW ausgiebig Sternderl geschaut werden & wo ginge das besser als im Landhaus von Doris Knechts Protagonistin. Überhaupt, dieses Knechtsche Text-Universum, ein bisschen fühlt es sich ja immer an wie ein Besuch bei liebenswerten, alten Bekannten. Viele Motive sind vertraut, die Wohnung, die unsägliche Kieberei-Geschichte, die Zwillinge, etc., & trotzdem hat man es hier mit einer unzuverlässigen Erzählerin zu tun. „Wer weiss es, wer weiss es, ob’s erfunden is‘ oder echt?“ rappten einst, „Eins, Zwo“ – nevermind, Hauptsache die Geschichte funktioniert elegant routiniert wie hier – eine Mischung aus leichtfüßigen Reflexionen über irreparablen körperlichen Verschleiß, vulgo Älterwerden, das hart erkämpfte selbstbestimmte Leben einer Frau bei gleichzeitig aufkommender Spannung dank der Schwestern-Story & den Unbillen des Trauzeuginnen-Daseins. Das alles cool interpretiert von Nina Petri, die sich tapfer über so manchen Austriazismus kämpft. Doch dann kommt ein Typ daher und ruiniert wieder alles. Mitten im Erzählflow steht er da frech samt Rennrad vorm Garten der Protagonistin. Spätestens da will man schreien: „Run girl, RUN!“ So, wie die Protagonistin das Ingeborg Bachmann zurufen möchte & ihr trotzdem dabei zusehen muss, wie sie in ihren eigenen powered-by-Patriarchat-Untergang rennt.
Ab da dreht sich dann mal wieder alles um einen Typen & man hangelt sich von Szene zu Szene, wo er mal nicht alles einnimmt mit seiner Lycra-Strava-Präsenz. Sein Friedrich-Vornamen-Bonus, weil Little Women-Assoziation, hilft da halt auch nix. „Did you do something stupid for a boy?“ Die alte Frage aus „Daria“ darf hier getrost gestellt werden & selbst wenn sich Dank des Typis einige Caitlin Moran-sche „Warum muss er auch ausgerechnet im November mit mir nach Paris fahren, verdammt noch mal?!“-Gedankenkaskaden Bahn brechen, wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass er sich vom Acker macht & der Protagonistin nicht ihren Room of one´s own wegnimmt. Aber wie wir spätestens von Christiane Rösinger wissen, hat die RZB ohnehin längst ausgedient & final wird die Kraft der Freundschaft – & der Komfortzonen beschworen.
P.S. Suzie Quattro spielt das nächste Mal 2026 auf der Burgarena Finkenstein.
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