Das Buch zum Wochenende #371
Zurück aus Klagenfurt von den „Tagen der deutschsprachigen Literatur“ ist neben der üblichen Indenalltagrückkehrmelancholie von den gehörten Texten dieses Jahr leider nur ein schal-blasses Erinnerungsgefühl geblieben. Geht´s nur mir so, oder habt ihr auch zunehmend den Eindruck beim Wettlesen in Klagenfurt anstatt ausgefeilter Kurzgeschichten fast nur noch beliebige Leseproben für die upcoming Romane der Autor*innen vorgesetzt zu bekommen? Das ist aus wirtschaftlicher Sicht natürlich voll okay so, wir müssen schließlich alle von etwas leben, aber trotzdem steht uns an diesem Wochenende nach all den mundgerechten Bachmann-Snacks der Sinn nach einem Text, der sich Zeit lassen und gerne mal über ein ganzes Jahrhundert erstrecken und entwickeln darf.
Auftritt Pierre Jarawan mit seinem neuen Roman „Frau im Mond“. Genau, so wie der Titel des Stummfilms von Fritz Lang, der auch eine nicht unwichtige Rolle in diesem smarten und durchaus politischen Familienepos zwischen Kanada, dem Libanon und Armenien spielt.
Gut, zugegeben, bei genauerer Betrachtung ist auch dieser Roman mundgerecht angerichtet und mit allen Wassern des kreativen Schreibens gewaschen, aber trotzdem lässt man sich von der epischen Geschichte gerne begeistern, weil sie mit ihrem gewitzten Charme immer noch rechtzeitig die Kurve kriegt. Der perfekte Summer-Read also – und weil wir es jetzt vom Bachmannpreis so gewohnt sind, dass wir Texte vorgelesen bekommen, möchte ich ganz besonders nachdrücklich auf das Hörbuch, fantastisch gelesen von der Schauspielerin Jodie Ahlborn, die uns allen bestimmt noch mit ihrer Interpretation von Ilona Hartmanns „klarkommen“ in Erinnerung geblieben ist, hinweisen.
Hörbuch: Sprecher*in: Jodie Ahlborn
ISBN: 978-3-8449-4254-5
Verlag: Osterwoldaudio
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